Ohne Mama - Tagebuch

WARUM SAGST DU DENN NICHTS MEHR ?
WIESO SIND DEINE AUGEN LEER ?
SAG' BIN ICH SCHULD ? ES TUT MIR LEID

MAMA ANA AHABAK - MAMA ICH LIEBE DICH
MAMA ANA AHABAK - KOMM DOCH UND BESCHÜTZE MICH

Ausschnitt: Songtext Christina Stürmer

 

19. August 2012

Heute Morgen habe ich die Schlimmste Entscheidung meinens Lebens treffen müssen, so etwas zu Entscheiden wünsche ich niemanden. Und ich bete zu Gott, das ich nie mehr soetwas schlimmes Entscheiden musst. Hatte ich überhaupt ein Recht dazu? Mein Name bedeutet im Hebräischen eigentlich: "Mein Richter ist Gott" nur Gott sollte diese Entscheidung treffen, wann ein Mensch von dieser Welt gehen muss. Aber heute Morgen musste ich dieser Richter sein. Warum?

Mama, liegt noch im Heim. Es ist sehr warm draußen. Das Termometer stieg auf über 32°C an. Ich merke es nicht, mir ist weder warm noch kalt. Ich muß jetzt nur noch funktioniern. Das Heim ruft ständig an und fragt ob ich schon einen Bestatter gefunden hätte - es ist zu heiß sie muss noch heute hier raus und verlegt werden.

Nein - Ich habe noch keinen Bestatter gefunden. Hier in Deutschland scheint es so zu sein, das man erstens nicht an einem Sonntag sterben darf und zweitens darf die finanzelle Seite auch nicht ausser acht gelassen werden. Wenn man sich die Bestattung nicht leisten kann, wird kaum ein Bestattungsunternehmer tätig bis die finanzen geklärt sind.

Nach 47 Anrufen, habe ich einen gefunden. Mama wird abgeholt. Nach über 14 Stunden!

20. August 2012

Heute morgen musste ich ins Bestattungsinstitut. Ich brach in Tränen aus. Die Dame die den "Vertrag" mit mir regelte, rasselte alles nur so runter, ich hab sie kaum verstanden, für sie war es ein alltägliches Geschäft, aber nicht für ihre Kunden, die Fix und Fertig sind. Und Trauern!

Ich musste zur Arbeit, beim Tod der Mutter steht einem ja nur ein Tag Sonderurlaub zu, viel zu wenig! Auf der Arbeit kam der nächste Schock. Ich brach in Tränen aus, zitterte wie Espenlaub, so stark bin ich nicht. Mir ist soooo kalt.

 

 

21. August 2012

Mit dem Personalausweis meiner Mama klapperte ich ein paar Ämter ab, ich brauche finanzielle Unterstützung um die Kosten für die Bestattung zahlen zu können. Auf der Arbeit zu sein fält mir so schwer. Niemand fühlt sich zuständig.

Ach Mami, ich hatte mir soviel vorgenommen, was wir schönes machen, wenn es dir besser geht. Du wolltest so gern an die Nordsee. Diesen Wunsch wollte ich dir erfüllen, aber das das sollte nicht mehr sein. Es tut mir so leid.

22. August 2012

Habe das richtige Amt erwischt, und bekomme die Formulare zugeschickt. Mit meinem Bruder telefoniert und beim Pastor nachgefragt ob er die Trauerfeier durchführen kann, aber er war nicht da! Habe ihm eine Nachricht hinterlassen. Eine Bewohnerin auf der Arbeit wollte mit mir Tanzen, das hatte sogar ein wenig Spass gemacht - Aber das schlechte Gewissen meiner Mama gegenüber war zu stark.

23. August 2012

Keine Post im Briefkasten. Hilflosigkeit macht sich breit, ich habe heute frei. Peter ist arbeiten, ich fühle mich so einsam. Mir ist so Kalt. Mein Herz schmerzt so sehr, bekomme kaum Luft zum Atmen.  Mir gehts total beschissen. Es tut so weh, dass ich Mama nie wieder sehen kann, sie nie wieder Mama nennen kann, nie wieder mit ihr lachen oder weinen kann. Oder mit ihr kuscheln. Sie gab doch soviel wärme und Liebe und Geborgenheit. Natürlich hatten wir auch unsere Differenzen, aber sie ist meine Mama

24. August 2012

Die Antragsformulare sind da. Hilfe - brauche dringend Hilfe...Was die alles wissen wollen. Ich möchte weinen, Mama fehlt mir so schrecklich, aber ich bekomme keine Tränen raus, ich muss stark sein, ich muss funktionieren. Bewohnerin will wieder Tanzen, das schlechte gewissen macht mich traurig. Beerdigung ist am 29. August, ich habe schreckliche Angst davor.

25. August 2012

Es ist Samstag, ich muss zur Arbeit. Es ist immernoch nicht leicht. Kollegin spielt am Klavier, sie spielt Mama´s Lieblingslied mal wieder, ich gehe kurz raus, ich ertrage das noch nicht, will weinen und kann nicht. Ich komme mit dem Formular nicht zurecht. Bekomme von Peters Chef ein wenig Hilfe, er kennt sich aus, er war mal Richter. Mit der Familie telefoniert. Ich klinge erstaunlich ruhig, und rede als wenn nichts ist. Ganz Normal - aber es erschreckt mich - der Funktionsmechanismus scheint zu funktionieren. Vielleicht ist es auch eine Art Schutzfunktion. Der Pastor war zu Besuch und Dennis und ich haben uns gemeinsam den Bibelvers aus Jesaja 43,1 ausgesucht. "Und Gott sprach: "Fürchte dich nicht, ich habe dich doch erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein!" Wir dachten, dieser passt am besten zu unserer Mama.

26.August 2012

Ich bin im Gottesdienst, die Gefühlswelt ist total gemischt. Tränen laufen fast die gesamte Zeit. Die Predigt ist gut und tut auch gut, sie gibt ein wenig Hoffnung und Zuversicht und ich bin nicht alleine dort, die Tränen vergießt. Allerdings kann ich die schönen Lieder nicht mitsingen "Happy day" nein, ich bin alles andere als Happy. Das zu singen tut mir alles andere als gut, die Wunde ist noch zu frisch. Ich bin nicht allein, habe viele liebe Menschen um mich, aber ich fühle mich sehr einsam.

 

 

 

27. August 2012

Nach der Arbeit kämpfe ich mit viel Papierkram. Ich suche die benötigten Papiere zusammen, die ich brauche. Es gibt soviel zu tun, das ich keine Zeit habe um traurig zu sein. Eleonore, eine Arbeitskollegin von mir und eine gute Freundin von Mama, kommt mit zur Beerdigung. Nur noch 2 Tage die Angst wird immer größer. Der Tag des entgültigen Abschiednehmens rückt immer näher.

28. August 2012

Großeinkauf steht an, morgen kommen soviele Bekannte und Verwandte. Hab Spätdienst, also bleibt mir nicht viel Zeit um alles vorzubereiten. Ich denke nicht nach, ich tue einfach, das ist mein Tagesmotto heute, zum Traurig sein fehlt einfach wieder die Zeit.

29, August 2012

Tag X ist heute da. Ich habe so große Angst davor. Stehe am Bahnhof zusammen mit Peter. Rolf kommt gleich aus Flensburg an und ich brauche noch Blumen. Wollte weiße oder rote Rosen haben. Gibts nicht im Blumenladen. Brauche aber Blumen, habe mich deswegen für rosa Rosen entschieden. Was heißt entschieden, eine andere Wahl hatte ich nicht. Die Frau braucht ewig um den Strauß fertig zu machen. Ich komme noch zu spät zur Beerdigung meiner eigenen Mutter, wenn das so weiter geht.

Vor dem Friedhof treffen Peter und ich auf den Rest der Familie und Freunden. Gemeinsam gehen wir zur kleinen Kapelle. Alle tragen sich ins Kondolenzbuch ein. Auch Dennis und ich. Sie alle gingen weiter in den Raum. Ich konnte dort schon nicht mehr, die Angst wurde immer großer, gleich sehe ich den Sarg in dem Mama liegt. Das tut so weh. Peter nimmt mich an die Hand und führt mich rein. bis zum zweiten Stuhl in der ersten Reihe habe ich es noch geschafft, dann gaben die Beine nach.

Die Trauerfeier beginnt mit einem leisen Klingeln um 10 Uhr. Dieses klingeln aber hörten eigenartiger Weise nur mein Bruder und ich, niemand anderes schien es wargenommen zu haben. Dann begann der Organist Amazing Grace zu spielten. Es ist eins von Mama und auch von meinen Lieblingsliedern. Die Tränen schießen in Strömen aus den Augen. Der Pastor erzählt etwas, es klingt gut was er sagt, besonders wie er es sagt. Aber im großen und ganzen läuft es bei mir eher wie in einem schlechten Film ab.

Nach der Beisetzung habe ich alle Gäste bei mir in der Wohnung, mein Wohnzimmer platzt aus allen nähten. Viel Zeit hab ich nicht, schneide Kuchen auf, koche Kaffee in einer Tour. Bona und Peter helfen. Nach 2 Stunden fahren alle wieder und ich bleibe mit Rolf und Peter allein. Wir sind nochmal zum Friedhof gegangen. Das Grab war schon zu und das nächste schon aufgebuddelt. Schauriges Gefühl. Es fängt an zu Gewittern am Abend - ich brech zusammen - Mama wird nass und friert.

30. August 2012

Habe frei, und bin wütend und verzweifelt. Hat ein Verstorbener denn keinen Namen mehr? Unzählige Telefonate habe ich heute geführt, wegen der Bestattungskosten Anträge und soweiter. Hat meine Mama kein Name mehr? Hat sie nicht ein recht darauf bei ihrem Namen genannt zu werden? Überall wo ich anrufe, trägt sie keinen Namen, nur ein Aktenzeichen, eine Kundennummer, eine Sterbenummer, eine Grabnummer, eine Registernummer und und und. Das tut richtig weh, sag ich euch.

31. August 2012

Ich kopiere meine Unterlagen die ich für den Antrag benötige. Da fehlt noch etwas. Ich muss suchen. Es bleibt wieder keine Zeit um Traurig zu sein, für die ganzen Kopien die ich brauche, gehen 2 Druckerpatronen drauf. Ich fühle mich einfach nur noch erschöpft, die Trauer in sich reinzufressen bringt mich um meinen Verstand, alles tut mir weh.

1. September 2012

Mir tut immernoch alles weh, die Tränen kommen nicht raus, obwohl ich das so gern möchte um mich etwas besser zu fühlen. Nach der Arbeit habe ich einen Spaziergang bei uns gemacht, hier ist ein schönes Feld was tolle Spaziergänge ermöglicht. Noch dazu waren gerade viele Pferde auf der Koppel. Das hat mich an meine Kindheit erinnert. Oft bin ich mit Mama zur Pferdekoppel gefahren um Pferdchen zu beobachten und zu streicheln. Das tat ich dieses Mal auch aber ohne Mama an meiner Seite. Die Tränen die raus wollen brennen wie Feuer, aber es geht nicht.

2. September 2012

Heute ist ein Taufgedächnis Gottesdienst. Er ist sehr schön. Mir gefällt dieser Moment der Stille, ein Moment in dem ich etwas Kraft tanken kann. Ich lasse mich am Taufbecken segnen. Die Erinnerung der Taufe ist wieder da. ein schönes Gefühl. Allerdings bin ich auch verwundert. Der Wochenspruch dieses Taufgedächnisgottesdienstes ist nichts anderes als Jesaja 43,1 "Und Gott sprch: "Fürchte dich nicht, ich habe dich doch erlöst. Ich habe dich bei deiem Namen gerufen. Du bist mein!"

Es ist mir anzumerken, das ich sichtlich irritiert bin.

Nach dem Gottesdienst, habe ich das Patenamt für die neuen Täuflinge übernommen, sie werden an meinem Geburtstag getauft. Ist das beides Zufall? Der Identische Bibelvers den wir ausgesucht haben? Die Taufe meiner "Patenkinder" an meinem Geburtstag? Zufall oder steckt dort eine tiefere Bedeutung hinter die ich jetzt noch nicht erahnen kann?

Ich war kurz auf dem Friedhof, dieser ist wie ein Irrgarten, ich denke es wird noch länger dauern bis ich den Weg ohne Schwierigkeiten finde.

 

 

3. September 2012

Heute beginnt mein Bruder mit seiner Ausbildung als Fachkraft für Lagerlogistik in einem Überbetrieblichen Ausbildungsbetrieb. Mama wäre bestimmt stolz auf ihn gewesen, diese Rolle übernehme ich für sie. Ich bin stolz auf ihn und hoffe, dass er diese Ausbildung bis zum Schluss durchhält.

Ich hab Spätdienst. Die Arbeit geht heute ganz gut von der Hand. Ich lausche nebenbei der Klaviermusik von Eleonore und genieße es für einen Augenblick, wobei schnell das schlechte Gewissen wieder auftaucht.

4. September 2012

Heute hatte ich meinen ersten Wechsel vom Spätdienst auf den Frühdienst. Ich fühle mich total gerädert, aber es gibt soviel noch zu erledigen. Nach der Arbeit fahre ich zum Pastor in die Wiedereintrittsstelle um die ersten gesammelten Werke in Kopien beglaubigen zu lassen. Der Pastor guckt nicht schlecht, mit soviel Arbeit hat er wohl nicht gerechnet, obwohl ich es ihm am Sonntag nach dem Gottesdienst schon angekündigt habe. Noch weiß er nicht, das da so einiges mehr kommen wird.

5. September 2012

Es sind ja nicht nur meine Unterlagen die ich für den Antrag brauche. Nein weit gefehlt. Von meiner Mama, meinem Bruder und meinem Neffen werden auch Formulare und Unterlagen ausgefüllt werden müssen. Es ist zum Mäusemelken, ich bin so verdammt wütend das können glaube ich die Wenigsten nachvollziehen. Ich nehme Kontakt mir der Betreuuerin meiner Mutter auf, da ich ein Kontoauszug brauche, der bis weit nach ihrem Tod hineinreicht. Wie soll das denn bitte gehen? Ohne Erbschein kein Kontoauszug, so einfach ist das. Aber das Erbe kann ich nicht antreten. Wir vereinbaren ein Termin, da ich auch gerne Familienfotos gehabt hätte. Freitag treffen wir uns, passt gut, habe Frei. Das Gefühl ist gerade unbeschreiblich, ich freue mich auf die Fotos, aber in Mamas Wohnung zu gehen - ein sehr komisches Gefühl.

6. September 2012

Frühdienst heute. Mit hängen und würgen habe ich die Arbeit geschafft, es ist viel zu viel zutun für diese paar Stunden. Nach der Arbeit fahre ich nochmal zum Pastor, den nächsten Stapel beglaubigen lassen, da ich inzwischen die Unterlagen von meinem Bruder bekommen habe. Jetzt fehlt nur noch der Nachweis darüber, dass das Erbe von uns ausgeschlagen wurde. Man wie mich das alles Belastet, ich komme irgendwie garnicht zur Ruhe. Es ist echt schlimm. Dennis und ich haben uns mit Ina am Montag verabredet, wir gehen gemeinsam zum Nachlassgericht. Sparen wir wenigstens etwas Geld, wenn wir alle zusammen hingehen.

7. September 2012

Heute wird ein langer Tag. Mein freier Arbeitstag wurde gestrichen, wegen Personalmangel. Jetzt hab ich nicht viel Zeit die ich in Mamas Wohnung sein kann. Da ich zum Spätdienst antreten muss. Die Betreuuerin und ich sind um 11 Uhr verabredet, sie rief an das sie im Stau steckt und es etwas später wird. Ich stehe schon vor der Wohnung, aber ohne Schlüssel komme ich natürlich nicht rein. Tränen fließen, mir ist schrecklich übel. Ich hab Angst in die Wohnung zu gehen. Es ist so als wenn Mama immernoch da wäre. Mir bleiben nur in etwa 20-30 Minuten um Fotoalben zu suchen, dann muss ich zurück. Gefühlte 10 Minuten lag ich aber bestimmt auf dem Bett und habe geweint. Mami, du fehlst mir so. Wo bist du? Bitte komm zurück zu uns! Sie hatte schon mein Geburtstagsgeschenk und eine Geburtstagskarte auf dem Tisch liegen. Hatte sie es etwa schon geahnt? Es waren doch noch fast 6 Monate bis zu meinem Geburtstag.

Mit einem Rucksack und 2 große Plastiktüten und einen dicken Aktenordner mache ich mich fertig und fahre los um die Sachen nach Hause zu bringen bevor es zur Arbeit geht.

8.September 2012

Auch der freie Samstag musste mir gestrichen werden. Ich bin fertig mit der Welt, die Zeit läuft und läuft. Dieser Zeitdruck ist wirklich schlimm, alles muss Termin gerecht erledigt werden und dann kann ich noch nicht mal frei machen. Dafür fange ich aber heute etwas später an, ganz zum Nachteil meiner Kollegen, sie tun mir leid, aber es geht nicht anders. Es steht viel Geld auf dem Spiel.

9. September 2012

Wieder kein freien Sonntag. Aber am Vormittag kann ich soweit alles fertig machen, das ich im laufe der nächsten Woche die Unterlagen wegbringen kann. Morgen gehts zum Nachlassgericht. Diesen Druck halte ich nicht mehr lange stand, ich muss das endlich Erledigt bekommen. Ich fühle mich so kraftlos, müde und leer. Ich will zu meiner Mama. Ich will bei ihr sein. Aber ich muss warten.

 

 

10. September 2012

Bei Gericht gewesen und das Erbe ausgeschlagen. Leider lief es nicht so glatt wie erhofft, Ina muss nochmal hingehen, weil ihr Personalausweis nicht mehr gültig gewesen ist. Wegen 2 Tagen!!! Unfassbar. Das kostet nochmal 20 Euro extra bei Gericht. Waren anschließend bei Mc Donald Frühstücken. Ist nicht mein fall, aber wer es mag bitte. Endlich, sobald mein nächster freier Tag da ist, kann ich alles weg bringen...

11. September 2012

Wie üblich sind die Zeitungen und die Nachrichten in der Glotze heute wieder voll mit dem gesehen vom 11.9.2001 in Amerika. Soviele unschuldige Menschen die ihr leben lassen mussten. Ich kann es bis heute nicht wirklich verstehen. Die armen Familien. Es ist schon schlimm Mama verloren zu haben. Aber im Gegensatz zu diesen Familien konnte ich mich von meiner Mama über einen langen Zeitraum verabschieden. Wie schlimm muss es sein, wenn Menschen ohne vorwahnung aus dem Leben gerissen werden?

12. September 2012

Heute nach der Arbeit war ich wieder beim Pastor. Das i-tüpfelchen beglaubigen lassen. Wenn alles gut geht habe ich am Freitag frei. Dann kann ich alles weg bringen. Alles tut mir wieder weh. Die unterdrückten Tränen. Mein Rücken und ich habe einen verdammt großen Druck auf den Ohren.

13. September 2012

Ina auf die Füße getreten, damit sie ja pünktlich die Formulare zum Amt schickt, das arme Mädchen hat ja so viel zu tun. Was soll ich denn sagen? Sie bringt den kleinen zum Kindergarten und geht dann los und trifft sich mit Freunden. Bei mir gehts aber um eine Stange Kohle, wenn die Sachen nicht pünktlich da sind. Bin wütend.

14. September 2012

Oh man wie ich mich freue, alles ist beim Amt. Jetzt heißt des auf Antwort warten. Ich hoffe es dauert nicht allzulange bei den Bergen an Papieren. War nachdem alles weg war bei Tedi drin. Einfach mal versuchen auf andere gedanken zu kommen. Ich hätte es wohl lassen sollen, aber das hätte auch nichts gebracht. Alles schon voll mit Weihnachtsdeko. In dem Moment wurde mir bewußt, dass es dieses Mal ein Weihnachtsfest ohne Mama sein wird. Dabei hatte ich schon soviel für Weihnachten geplant, was ihr sicher auch eine freude gemacht hätte. Mitten im Laden fange ich an zu weinen, die Leute gucken so blöd zu mir rüber. Es ist mir unangenehm und verlasse den Laden.

15. September 2012

Heute ist Samstag und ich habe wirklich frei. Ich gehe heute meinem Patenamt nach. Ich gehe gern dort hin, aber von Herzen freuen kann ich mich immer noch nicht. Auf dem Programm stehen heute Lieder aus dem Gesangbuch zu singen, gemeinsames Mittagessen, Taufsprüche, Vaterunser, besichtigung des Kirchturms und Wie finde ich Bibelstellen, und welche Abkürzungen haben die einzelen Bücher. Das singen macht spass, aber beim Lied Ich befiel dich in deine Hände versagt meine Stimme. Schon auf der Hinfahrt zur Kirche flossen in der Straßenbahn die Tränen, dabei habe ich in diesem Moment zumindest nicht bewußt an Mama gedacht. Nach dem Mittagessen, helfe ich dem Pastor beim Aufräumen, da noch eine andere Gruppe erwartet wird muss es schnell gehen. In der Zwischenzeit, haben meine Patenkinder schon die Liste mit den Taufsprüchen erhalten. Alle zusammen klettern wir dann auf dem Turm. Es ist windig, stark bewölkt aber trotzdem schön. Ich blicke in die Richtung in der ich Wohne. Ich war dort oben, und hatte das Gefühl für einen kurzen Augenblick, hier bist du näher an Gott und auch näher bei Mama. Mama, ich spüre das du bei mir bist, aber ich möchte dich sehen, dich streicheln und in den Arm nehmen. Ich vermiss dich so.

16. September 2012

Heute ist Sonntag und wie üblich hab ich Spätdienst, eigentlich wäre das mein freier Sonntag gewesen, aber auch dieser wurde gecancelt. Es ist der vierte Sonntag den ich ohne meine Mama bin. Ich fühle mich heute nicht besonders gut. Nach der Arbeit habe ich meine LED Kerzen angemacht, es war gemütlich, habe geweint und bin irgendwann darüber eingeschlafen.

 

 

17. September 2012

Weinend aufgewacht, ich glaube so langsam kommt die Trauer richtig durch bei mir. Habe Ohrenschmerzen. Einige Bekannte beginnen mich für verrückt zu halten, sie meinen jetzt müsste mal gut sein mit dem traurig sein. Hab Spätdienst - fühle mich überhaupt nicht gut. Mein Magen rebelliert, der Druck auf dem Ohr gefällt mir nicht. Aber da muss ich durch. Ich weiß aber nicht wie! Trau mich nicht zum Arzt zu gehen. Hab Angst Krankgeschrieben zu werden, bin doch noch die Neue im Betrieb.

18. September 2012

Letzte Nacht wieder sehr schlecht geschlafen, bin weinend wach geworden. Seit vier Wochen kann ich kaum eine Nacht richtig durchschlafen. Peter sagt ich habe nach Mama im schlaf gerufen. Ich kann mich an meinem Traum nicht errinnern. Aber es kann schon sein, das ich wieder den einen Alptraum hatte. Habe vor der Arbeit wieder ein Gedicht auf geschrieben. Für den Moment tut das gut abgelenkt zu sein, aber sonst fühl mich schrecklich - mein Herz fühlt sich gerade an, als wenn es in 1000 Stücke gerissen wird. Ich habe eben wieder geweint. Meine Katze scheint das nicht zu mögen, als Strafe hat sie mich gerade gebissen.

19, September 2012

Heute habe ich frei. Und diesen freien Tag brauche ich. Ich bin allein, Peter ist auf der Arbeit, mir ist so schrecklich kalt und mir ist übel. Die Tränen fließen in Ströhmen, ich fühl mich einsam. Heute ist der 19. vor genau einem Monat ist Mama von dieser Welt gegangen. Was würde ich dafür geben sie nur noch einmal sehen zu können und mir ihr zu sprechen und ihr das Geburtstagsgeschenk zu geben, wozu ich nicht mehr kam. Dabei hatte sie sich so sehr die Harry Potter DVD´s gewünscht. Wollte ihr einen DVD-Player ins Heim bringen, sobald sie aus der Kurzzeitplege gekommen wäre.

Eigentlich wollte ich heute zum Friedhof, ich war schon seit 17 Tagen nicht mehr dort. Aber mir fehlt die Kraft um dort hinzugehen. Alleine schaffe ich es noch nicht. Die Tränen lassen heute einfach nicht nach. Sie geben für einen kurzen Moment eine Erleichterung, aber sie schnüren mir die Kehle zu ich bekomme keine richtige Luft mehr. MAMA geht es dir gut? Bist du gut angekommen, in der anderen Welt? Bitte schicke mir ein Zeichen, mach irgendwas, damit ich weiß das alles bei dir in Ordnung ist. Bitte!!!

Das ist ein kleiner Ausschnitt aus dem ersten Monat  nach dem Tod meiner Mama! Sie fehlt mir so sehr!

 


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